Pflanzenporträts

Ei Veilchen liebes Veilchen …

Im Frühjahr geht das Veilchen so manchen Blumen voran. Was es kann und warum wir es lieben. (© Pixabay)

Veilchen, Veigerl, Märzveigerl, Marienstengel, Viola, Öschen, Tagundnachbleamal, Schwalbenblume. So oder so ähnlich wird das kleine zarte lila Blümchen genannt, dass als eine der ersten Blumen sich im Frühling unter der Erde hervorwagt. Kaum ist der erste Schnee weggeschmolzen, ist sie da – und sie kommt fast nie alleine, sondern immer in einem großen lila Blütenschwarm: das wohlriechende, echte Veilchen.

Das Veilchen ist der Frühlingsbote und Symbol der Hoffnung.

Heilkunde

Inhaltsstoffe: Saponine, Glykoside, Bitterstoffe, Odoratin, den Farbstoff Cyamin, sowie Vitamin C und Mineralstoffe.

Verwendete Pflanzenteile: alle. Blüten, Blätter, bzw. das Kraut und die Wurzeln. Die Pflanzenteile werden im Frühjahr gesammelt, die Wurzel im Oktober, November gegraben. Die Blüten, Blätter, Kraut und Wurzel werden langsam im Schatten getrocknet.

Heileigenschaften: äußerlich wundheilend; innerlich blutdrucksenkend, blutreinigend, schleimlösend, harntreibend, schweißtreibend.

Heilanwendungen: Das Veilchen wurde schon in der Antike als Heilkraut verwendet. Alte Quellen belegen, dass es der Persepone geweiht war, als Totenblümchen. Die Hippokratiker benutzten es gerne gegen den berühmten Kater, wiewohl diese Heilwirkung bis heute umstritten ist. Auch für die Erleichterung der Geburt wurde es verwendet. Nach der Antike gerieht das Veigerl in Vergessenheit. Trotz dem Hildegard von Bingen es als das Narbenkraut schlechthin bezeichnete, verdanken wir seine heilkundliche Wiederentdeckung Pfarrer Kneipp. Er lobte den Veilchentee und den Sirup, um zähen Schleim abhusten zu können.

Veilchentee und Veilchensirup helfen bei festsitzenden Husten und sind auswurffördernd. Mit dem Tee gurgelt man bei Entzündungen der Mundschleimhaut und bei Angina. Aber auch auf die Psyche hat das Veilchen großen Einfluss. Sein lieblicher Duft, seine Zartheit, seine Erscheinung im Frühjahr, zu Beginn des Jahres, macht es zu einem Begleiter für junge Mädchen. Es soll dies die Heilpflanze schlechthin für sie sein.

Das Veilchen ist die Pflanze der jungen Frauen.

Einer meiner Stammbuchsprüche.

Das Veilchen hat eine beruhigende Wirkung. Sein Duft hilft beim Nervosität, der Tee hilft bei Unruhe und beim Einschlafen. Früher wurde der Tee gegen Hysterie bei Frauen verwendet (ich muss dazusagen: ich distanziere mich scharf von dem Ausdruck : hysterische Frau ). Auch gegen Kopfweh soll ihr Duft helfen, nicht umsonst haben sich die Männer früher das Veilchen am Mantelknopf gesteckt – wiewohl, könnte das auch die berühmte Hilfe gegen den Kater gewesen sein? Wer weiß, sicher ist auf jeden Fall, dass die Pflanze auch Symbolpflanze für die junge Liebe war: junge Liebhaber haben ihrer Angebeteten (jung musste sie sein) ein Veilchen geschenkt. Junge Frauen nahmen Veilchenparfum. Nicht umsonst war der Veilchenduft einer der ersten, der synthetisch hergestellt wurde: 1898 kommt das erste, synthetische Veilchenparfum auf dem Markt und wurde – wie zu erwarten – ein voller Erfolg.

Rezepte

Veilchenessig

Ich mache sehr gerne Veilchenessig, weil er erstens sehr schmackhaft ist – für alle jene, die den Veilchenduft nicht so gerne mögen , der Essig ist wirklich sehr dezent – und zweitens so gut für meine Haut ist (auch wenn ich kein junges Mädchen mehr bin)

Man nimmt eine Glasflasche (500 ml), 1 Handvoll Blüten und einen halben l Weißweinessig. Man gibt die Blüten in die Flasche, sie sollen ca. das untere 1/4 bedecken,und dann leert man den Essig darüber, verschließt es gut und lässt es bis zu zwei Wochen an einem warmen Ort stehen. Bitte immer wieder schütteln, so dass kein Schimmel entsteht. Nach zwei Wochen und nachdem die Veilchenblüten ihre Farbe verloren haben seiht man ab und erhält einen erstklassigen Essig. Ausprobieren!

Veilchenessig: gut fürs Gemüt, gut für die Haut. (© Mayr)

Veilchensirup

Man gieße auf 1 l gut zusammengepresste Veilchenblüten 1 l kochendes Wasser und lässt es 12 h ziehen. Danach abseihen und den Saft wieder bis knapp vor dem Siedepunkt erwärmen und dann erneut auf 1 l frisch gepflückte Veilchenblüten. Dann lässt man ihn wieder 12 h stehen. Man kann den Vorgang dann noch 2 mal wiederholen – die Quellen schreiben, je öfter desto besser – aber mir gehen die Veilchenblüten oft aus, also mach ich es höchstens zweimal.

Nach dem letzten Auspressen erhitzt man den Saft nochmals und lässt ihn abkühlen. Wenn er handwarm ist gibt man so viel Honig hinzu, bis ein sirupartiger Brei entsteht.

Dieser Brei, löffelweise eingenommen, hilft bei Schlaflosigkeit, löst die Verschleimung der Atemwege und stärkt das Herz. (Es soll auch gegen Liebeskummer helfen 😉 ) Die Häufigkeit richtet sich nach Vorliebe, 3-6x am Tag.

Man kann den Sirup mit Gerstenwasser strecken.

Veilchentee

1-2 EL frisches oder trockenes Veilchenkraut in 1/2 l Wasser 2 h lang kalt ansetzen, dann lauwarm erhitzen. Mit Honig süßen und die Menge den Tag über verteilt trinken.

Mischtee gegen (Keuch)Husten: Zu gleichen Teilen Thymian und Veilchen mischen. Zubereitung wie oben.

Mischtee gegen schleimigen Husten: 2 Teile Veilchenblätter, 4 Teile Huflattichblätter, 4 Teile Tyhmian, 5 Teile Spitzwegerich, 5 Teile Zinnkraut mischen. 1 EL der Mischung mit kochenden Wasser aufgießen. 5-10 Minuten ziehen lassen, mit Honig süßen.

Kaiserin Elisabeth von Österreich liebte kandierte Veilchen. Bis heute werden sie nach Originalrezeptur vom Demel produziert und sind ein wahrer Geheimtipp.

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