Pflanzenporträts

Beifuß

Beifuß (Artemisia vulgaris)
Familie: Korbblütler

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder oder jede eine Pflanze ganz besonders ins Herz geschlossen hat, aus den unterschiedlichsten Gründen. Meine Pflanze ist der Beifuß. Dem Beifuß habe ich quasi zu verdanken, dass ich auch Unkräuter generell ins Herz geschlossen habe.

Irgendwann ist bei uns zuhause eine Pflanze gewachsen, niemand kannte sie, aber da wir generell die Philosophie haben, alles mal wachsen zu lassen, bis es wirklich nicht mehr geht, wuchs und gedieh diese kleine Pflanze von Jahr zu Jahr. Nach drei Jahren hatte sich schon eine ansehnliche Staude entwickelt. Sie wuchs hinter unserer Garage, neben der Bienenhütte an einem sonnigen Platz, jedoch gleich neben der Straße und dem Hühnerstall. Der Platz war recht trocken und nicht sonderlich grün – wer Hühner hat, und diese frei rumlaufen lässt, weiß wovon ich spreche. Trotzdem gedieh sie prächtig. Uns kümmerte die Pflanze nicht, sie war nicht sonderlich schön, aber irgendwie sah sie prächtig aus mit den gefiederten Blättern, die auf der Unterseite silbrig schimmerten. Heute weiß ich, dass das ein Zeichen der Mondpflanzen ist – wie auch der Frauenmantel oder der Wermut welche sind. Sie blieb uns treu, egal wie hart der Winter war und wenn mein Vater wieder mal unabsichtlich sie mit dem Traktor niedergemäht hat: sie kam wieder.

Irgendwann hat mal ein Nachbar zufällig fallengelassen, dass wir da ja einen großen Busch Beifuß stehen haben, und wir sollen das Unkraut doch besser umschneiden. Damit hat er das Gegenteil erreicht, der Rest ist Geschichte wie es so schön heißt.

Wie erkennt man ihn?

Er wächst immer in Gruppen, vorwiegend an Schuttplätzen, auf Ödland, am Wegesrand, am Waldesrand, gerne auf Parkplätzen. Die Blüten sind rötlichbraun und wachsen in Rispen, sehr unscheinbar und filzig. Blätter sind tief gefiedert unten weißwollig und sind denen des Wermuts ähnlich. Wenn man die Blätter zerreibt, duften sie ganz zart.

 

Was steckt drinnen?

Gerb- und Bitterstoffe, ätherische Öle, Inulin, Flavonoide.

Zur Geschichte & Überlieferung:

Beifuß war früher ein mächtiges Heilkraut, das bei den Kräuterweibern als auch in der Klostermedizin sehr geschätzt wurde, schon die Germanen verwendeten ihn gegen Gift und Ansteckung. Beifuß gilt in der Überlieferung als Schutzpflanze und wird bis heute gerne fürs Räuchern verwendet, so auch in den Rauhnächten um Neujahr.

Bis ins 19. Jahrhundert war es Brauch, sich einen „Sonnwendgürtel“ aus Beifuß zu flechten. Dieser wurde bei der Feier zum Johannisfeuer getragen. Zuerst musste man damit über das Feuer springen und den Gürtel anschließend ins Feuer schmeißen. Damit wurde alles Übel verbannt.

Beifuß ist eine Marien- und Frauenpflanze. Sie hat immer Platz im Kräuterbuschn, der zu Maria Himmelfahrt geweiht wird.

Verwendung:

Beifuß wird hauptsächlich getrocknet verwendet, ausgenommen Beifußwein, -tinktur, etc.
In der Volksmedizin wird er dort angewendet, wo Säfte fließen sollen.

Der Beifußtee soll die Menstruation ankurbeln oder auch bei Verdauungsbeschwerden, wie Verstopfung, helfen. Er hilft auch bei Mundgeruch(Volksmedizin).

Man gibt ihn gerne zum Gansl oder fetten Fleischspeisen, da er die Gallenproduktion und die Verdauung anregt. Ein Stamperl Beifußwein nach dem Essen hilft dem Magen bei der Verdauung und schmeckt zudem sehr gut. Besser ist es, auch vor dem Essen ein kleines Gläschen zu trinken.

Einfaches Rezept für einen Beifußwein:

3-4 frisch blühende Stengel Beifuß (ca. 10-15 cam lang von den Spitzen gebrochen)
1 l Weiß- oder Rotwein – ich nehme gerne einen lieblichen, weil er danach nicht so bitter schmeckt.

Die Stengel werden als Ganzes in die Flasche Wein gegeben. Gut schütteln und gut verschlossen im warmen Raum einen Tag stehen lassen. Dann den Beifuß wieder entfernen, den Wein durch ein Leinentuch filtern und danach wieder in die – gesäuberte – Weinflasche füllen. Schmeckt etwas bitter.
Haltbarkeit: gute zwei Monate.

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