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13 Mai

Wie der Ehrenpreis zu seinem Namen kam – ein Märchen

Wie der Ehrenpreis zu seinem Namen kam: ein Märchen.
Der Ehrenpreis blüht entlang der Wege. (c) Pixabay

Es war einmal ein kleines Dorf am Rande des Königreiches. Lange Zeit war im Königreich Krieg gewesen. Der Tod des alten Königs setzte dem ein Ende; sein Sohn, der nach ihm König wurde, schloss Frieden.

Der Krieg hat die Menschen arm gemacht, aber man hielt zusammen. Auch im Dorf am Rande des Königreiches. Der Bürgermeister, ein strenger lieber Herr, kümmerte sich gut um die Menschen. Ihm zur Seite stand seine schöne Tochter, Jolanta.

Eines Tages entschloss sich der junge König, sein Land kennenzulernen und die Dörfer zu besuchen. Und das schönste Dorf sollte eine besondere Auszeichnung erhalten.

Ein Aufruhr ging durchs Land. Der junge König besuchte die Dörfer! Das hatte es schon lange nicht mehr gegeben.

Auch das Dorf am Rande des Königreichs hörte davon. Der König sollte kommen? Und das schönste Dorf erhielt eine Belohnung? Der Bürgermeister rieb sich die Hände und machte sich an die Arbeit: Das Dorf sollte glänzen und strahlen wie noch nie zuvor.

Und das ganze Dorf machte sich an die Arbeit: Mit Feuereifer wurde geputzt und gestrichen, mit alten Teppichen und Laken die Dachlöcher gestopft. Tag für Tag wurde es schöner und Tag für Tag kam der König näher.

Eines Tages kam ein Wanderer ins Dorf. Er erzählte den Bewohnern, dass er Dörfer bereist hatte, die der König vor Kurzem besucht hatte. Dort war der junge König stets prächtig begrüßt worden war – mit meterlangen blauen Teppichen aus feinstem Stoff. Es gäbe da eine Prophezeiung, die dem König großes Glück am Ende eines blauen Bandes voraussagte.

Dem Bürgermeister trat bei der Neuigkeit kalter Angstschweiß auf die Stirn. Ein meterlanger Teppich? Und in Blau? Woher sollte er denn einen solch einen Teppich nehmen? Er hatte gerade befohlen, alle alten Teppiche zu zerschneiden und Reparaturen damit zu machen.

Auf die Schnelle konnte ja kein neuer gewebt werden – und selbst wenn, die Weber würden niemals so viel Wolle auftreiben.

„Morgen kommt der König! Morgen kommt der König! Macht euch bereit!“, tönte ein Bote, der sein verschwitztes Gaul mitten auf dem Dorfplatz zum Stehen brachte.

„Oh nein, wir sind verloren! Wir haben keinen Teppich, wir werden beim König in Ungnade fallen!“, jaulte der Bürgermeister.

Die Bewohner waren ganz erschrocken, nur Jolanta behielt ihren gute Laune. „Keine Sorge Vater, alles wird gut! Ich habe eine Idee“, tröstete sie diesen. Ihre Zuversicht strahlte auf die anderen ab. „Ja, alles wird gut, alles wird gut!“ raunten sie. „Aber wie, aber wie?!“ , wollten sie wissen?

„Ich werde zur weisen Frau im Wald gehen und ihre Hilfe erbitten!“ erklärte das schöne Kind und machte sich sogleich auf dem Weg.

Es dämmerte bereits, als sie bei der kleinen Hütte im Wald am Ende des Ende des Königreiches ankam. Dort hauste die Frau im Wald. Niemand wusste, ob sie eine Fee oder eine Hexe war, ob sie Gutes oder Böses tat.

Jolanta glaubte nicht daran, dass die Frau im Wald der Nachbarin Warzen auf die Nase gewünscht hatte, nachdem diese ihr beim Vorbeigehen nachgeäfft hatte. Oder dass sie dem Nachbarn die Milch sauer werden hat lassen, nachdem er ihr den bösen Blick gegeben hatte.

Sie glaubte ganz fest daran, dass sie eine gute Hexe war und klopfte an die Holztür.

Ein paar Sekunden geschah nichts, dann die Stimme der Frau „Tritt ein Jolanta. Ich hab schon auf dich gewartete.“

Erstaunt trat Jolanta ein in die Hütte der Frau vom Wald. Diese war voller Kräuter und Pflanzen, die in Bündeln von der Decke hingen. An den Wänden waren Regale über Regale, darin allerhand Pulver und Essenzen. In der Ecke war ein Kamin, davor in einem alten fleckigen Lehnsessel saß die Frau vom Wald.

„Guten Tag liebe Frau vom Wald“, sagte Jolanta artig und trat vor. „Ich bin hier, weil ich eure Hilfe brauche. Morgen kommt der König und wir brauchen eine blauen keinen Teppich. Bitte hilf uns.“

Die Frau vom Wald war schon sehr alt, aber erstaunlich flink stand sie auf und kramte in den Regalen, bis sie ein kleines Pulver fand. Das Glas gab sie Jolanta in die Hand.

„Liebes Kind. Ich hatte deine Mutter sehr lieb und ich hab alles versucht damals, sie am Leben zu halten bei deiner Geburt. Sie wollte aber nicht, dass ich sie rette sondern dich. Das habe ich gemacht.

Ich habe mir geschworen, dass, solltest du jemals Hilfe brauchen, ich sie dir auf jeden Fall geben werde. Deswegen nimm das Pulver im Glas, geh gleich heim und streu dies vor dem Haupthaus aus, wo morgen der Empfang ist. Sag dabei dreimal ‚Preis und Ehr, Preis und Ehr, Preis und Ehr, ein Teppich muss her.‘ Morgen früh wird dort einer sein und lass dich von seinem zarten Aussehen nicht täuschen, er ist genauso robust und farbenfroh wie ein richtiger Teppich.“

Sprachlos nahm Jolanta das Pulver, umarmte die Frau im Wald, versprach, bald wiederzukommen, und eilte nach Hause. Es war bereits spät nachts, als sie dort ankam.

Schnell streute sie das Pulver vor dem Haupthaus aus, murmelte dreimal die Formel:

„Preis und Ehr, Preis und Ehr, Preis und Ehr, ein Teppich muss her!“,

Nach einem kurzen, stillen Gebet legte sie sich schlafen.

Das ganze Dorf schlief schlecht. Alle hatten sie Angst, dass Jolanta nicht erfolgreich war, dass der König ohne Teppich zum Haupthaus gehen sollte und sie in Ungnade fallen.

Beim ersten Hahnenschrei liefen alle zum Haupthaus. Zuerst ein Raunen, dann brauch lauter Jubel aus: Ein blauer, samtener Teppich hatte sich gebildet. Doch er war nicht aus Stoff, sondern er bestand aus unzähligen kleinen blauen Blüten.

Bald schon konnte man eine heranfahrende Reiterschar hören. Da kam die Kutsche schon ins Blickfeld, gezogen von vier Schimmeln, mit Gold bespannt und purpurnen Vorhängen. Die Kutsche hielt genau in der Mitte des Dorfes. Ein Lakai in purpur-silberner Livree stieg vom Kutschbock und öffnete die Kutschentür.

Ein Lederstiefel erschien. Und dann ein zweiter, gefolgt von einem stattlichen jungen Mann mit blondem Haar und freundlichem Lächeln.

„Guten Tag, Eure königliche Hoheit. Wir sind zutiefst geehrte, dass ihr unser Dorf am Rande des Königreiches besucht“, begrüßte ihn der Bürgermeister und sank in einen tiefen Knicks. Das ganze Dorf machte es ihm nach, auch Jolanta, die aber durch ihre Haarsträhnen hindurch versuchte, einen Blick auf den Prinzen zu erhaschen. Dieser musterte sie im Gegenzug ebenfalls neugierig.

„Erhebt Euch, guter Mann“, sagte der junge König und bot dem König beim Aufstehen die Hand. „Nach so vielen Jahren Krieg und Leid möchte ich, dass Friede und Wohlstand in mein Land einzieht. Ich habe alle Städte und Dörfer des Reiches besucht auf der Suche nach etwas ganz Besonderem, aber es noch nicht gefunden. Ihr seid das Dorf am Rande der Welt, ihr seid mein letzter Halt und meine letzte Hoffnung.“

Das ganze Dorf hat während der Rede den Atem angehalten. Auf der Suche nach etwas Besonderem? Was sollte das sein?

„Mein König, können wir Euch bei der Suche helfen?“, fragte der Bürgermeister ganz neugierig. Er wollte schließlich auch die Belohnung haben. Neben ihm stand Jolanta, die in ihrem mitternachtsblauem Kleid ganz allerliebst aussah. Der junge König konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Sie lächelte ihn freundlich an, worauf dem jungen König ganz warm ums Herz wurde.

„Das wird sich zeigen“, sagte der junge König.

Bei diesen Worten drehte er sich um und sein Blick fiel auf den wunderschönen blauen Blütenteppich, der den Weg auf das Haupthaus zeichnete. „Ohhhh“, entfuhr es ihm. „wie wunderschön! Das ist der schönste Teppich, den ich jemals gesehen habe!“

Das ganze Dorf, das bis jetzt schier die Luft angehalten hatte, war erleichtert. Jubel brach los. Der junge König schaute verwundert in die Runde.

„Mein König, meine Tochter Jolanta hat das möglich gemacht“, sagte der Bürgermeister voll Stolz und zeigte auf seine Tochter. Dem jungen König wurde noch wärmer und er strahlte Jolanta an.

Er sagte: „Meine Mutter hat, kurz bevor sie starb, mir prophezeit, dass ich eines Tages neben einem blauen Band, das sich mir nicht beugt, meine Zukunft erkennen werde. Jetzt sehe ich ein blaues Band, aber die zarten Blüten werden ja bei jedem Schritt zerstört, sie beugen sich.“

Jolanta trat einen Schritt auf den jungen König zu. Sie erinnerte sich an die Worte der Hexe. „Mein König, wollt Ihr nicht einen Schritt darauf versuchen? Vielleicht irrt Ihr Euch.“

Der junge König schaute auf die junge Frau. Kurz zögerte er, er war sich sicher, dass er sich nicht irrte – ein Blick auf die zarten Blüten hatte ihn von dessen Zerbrechlichkeit überzeugt.

Aber der klare Blick von Jolanta ließ ihn einen Schritt auf das blaue Blütenband treten, es folgte ein zweiter, dritter und schließlich war er schon zur Hälfte beim Haupthaus. Er war sich sicher, dass er tiefe Spuren hinterließ.

„Mein König, seht, Eure Schritte sind verschwunden“, rief der Bürgermeister. Ungläubig schaute der König zurück und siehe da, das blaue Blütenmeer stand genauso aufrecht wie davor, kein Knick, kein gebrochener Stiel war zu sehen.

Er kehrte zum Bürgermeister und dem Dorf zurück. Wieder waren seine Spuren, sobald er einen Schritt weiter war, verschwunden.

„Lieber Herr Bürgermeister, ich bin durchs ganze Land gereist, um ein blaues Band zu finden, dass sich nicht beugt, obwohl mir die Bedeutung der Worte nicht ganz klar war. Aber jetzt weiß ich es“, lacht der junge König. „Euer Dorf hat die versprochene Belohnung verdient.“

Das Dorf wartete gespannt.

„Was ist die Belohnung?“, fragte der Bürgermeister. Der junge König blickte auf Jolanta, die gespannt den Atem anhielt.

„Ihr werdet zehn Säcke Gold erhalten, damit ihr euer Dorf wieder so aufbauen könnt, dass der Krieg vergessen ist. Außerdem werde ihr offiziell nun den Titel „schönstes Dorf im Reich“ tragen“, sagte der junge König.

Er blickte auf Jolanta. „Die Prophezeihung sagt, dass neben dem blauen Band meine Zukunft auf mich wartet. Ich habe Sie in Euch gesehen“, und bei diesen Worten sank er auf die Knie. „Wollt ihr meine Zukunft sein, meine Frau, meine Weggefährtin, mein Partnerin, meine Königin?“ Er hielt den Atem an.

Mit einem Jubelschrei sank Jolanta in die Arme des Prinzen. „JA JA JA! Tausendmal JA!“ Lachend hielten sie sich im Arm. Der Bürgermeister hatte Tränen in den Augen, seine Tochter – Königin! Das ganze Dorf jubelte. Die ersten Bänke wurden aufgestellt, Bierfässer wurden angezapft, Musik erklang.

Schönstes Dorf des Königreiches und die Königin eine von ihnen!!! – mit diesem Ausgang hätte niemand gerechnet.

Der junge König erhob sich, mit ihm die zukünftige Königin Jolanta. „Aber verratet ihr mir noch, welche zauberhaften Blumen das sind, die so zahlreich nebeneinander blühen und sich niemandem beugen?“

Jolanta überlege nur kurz. Ihr fiel der Spruch der Hexe ein, ‚Preis und Ehr, Preis und Ehr, Preis und Ehr, ein Teppich muss her‘.

„Mein König, das ist der Ehrenpreis. Eine Blumen, dem König zu ehren“, lächelte sie ihrem zukünftigen Mann an.

Später am Tag stand die Hexe am Waldesrand und blickte auf das feiernde Dorf. Sie hatte ein Lächeln auf den Lippen. „Ich habe mein Versprechen gegenüber deiner Tochter erfüllt, liebe Freundin. Jetzt bin ich frei und kann diesen Ort verlassen, sie wird gut versorgt und geliebt sein.“

Mit diesen Worte verschwand die Hexe, sie ward nie mehr gesehen.

Jolanta und ihr junger König verließen am nächsten Tag das Dorf am Rande der Welt, das jetzt erstes Dorf des Reiches war. Bald wurde Hochzeit gefeiert. Und wenn sie nicht gestorben sind, lieben sie sich noch heute.

19 Jun

Die Glockenblume: Brauchtum und Märchen

(Campanula rapunculus)

Glockenblumen sind kein Unkraut. Warum beschäftigen wir uns dennoch mit ihr? Weil sie mehr ist als auf den ersten Blick vermuten lässt! Es gibt einen reichen Schatz an Brauchtum und Überlieferungen sie betreffend. Und wir lieben Brauchtum!

Schlafplatz für Elfen

Sie ist die Pflanze der Elfen und Feen – wie so viele „Glockchenblumen“ (auch das Maiglöckchen) – diese haben dort ihr Lager, ihr Zuhause und mögen es nicht, wenn Menschen auf ihr Bett drauftreten. Es bringt Unglück, auf einen Glockenblumenstrauß zu steigen – Obacht!

Die typische Glockenblumen-Bewohnerin: eine Fee oder Elfe. (c) Sofi
Die typische Glockenblumen-Bewohnerin: eine Fee oder Elfe. (c) Sofi

Aber nicht nur, weil man deswegen die Elfen aus ihren Betten wirft. Früher dachten die Leute, dass Glockenblumen giftig sind, stark giftig – vor allem die blauen Blüten. Um die Kinder davor zu warnen, erzählten man ihnen Schauergeschichten:

Betritt man etwa eine Lichtung mit vielen Glockenblumen, werde man von den Elfen verzaubert und fällt in einen tiefen Schlaf, von dem es kein Erwachen gibt. Ein Happy-End wie bei Dornröschen war also unerwünscht.

Eine Meer an Glockenblumen - das gibts vor allem in Ländern wie in England, Schottland und Irland. Das ist bei uns eher selten anzutreffen.
Eine Meer an Glockenblumen – das gibts vor allem in Ländern wie in England, Schottland und Irland. Bei uns ein eher seltenes Spektakel. (c) unsplash

Heute ist man sich übrigens immer noch nicht ganz einig darüber, ob und wie giftig Glockenblumen sind. Es dürfte aber stark von der Art (es gibt viele viele Unterarten) und auch vom Standort abhängen. In der Naturheilkunde verwendet man die Wurzel und auch die jungen Blätter.

Milchsaft der Glockenblume zum Binden

Ganz spannend ist auch, dass in manchen Gegenden der Milchsaft aus den Stängeln und der Wurzel der Glockenblumen als Kleber-Ersatz verwendet wurde – es wurden auch Bücher damit gebunden. Positver Zweitnutzen: Dadurch, dass dieser wenn schon nicht giftig doch sehr ungenießbar war, vertrieb man allerlei Ungeziefer.

Die Glockenblume ist das Zuhause von Elfen und Feen. (c) Unkrautliebe
Die Glockenblume ist die Blume der ewigen Liebe. (c) Unkrautliebe

Glockenblume als Gewitterpflanze

Die Glockenblume gilt als Pflanze, die Blitze anzieht. Man durfte sie nie, auf keinen Fall ins Haus bringen. Generell bringt Abbrechen oder Abpflücken Unglück, wir wissen, es leben Elfen darin.

Glockenblume zeigt „wahre und ewige Liebe“

Es ist dennoch auch eine Pflanze der Freude und der „wahren und ewigen Liebe“. Wer also Heiraten möchte und keine Angst hat, Glockenblumen abzuschneiden, ist gut daran beraten, eine Glockenblume im Blumenschmuck zu haben. Schenkt man Glockenblumensträußchen ist es ein Zeichen, dass man sein Herz auf ewig an den Empfänger, die Empfängerin verschenkt hat. Hach!

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Glockenblumenstrauß zum Wochenende! Glockenblumen sind Symbol der „ewigen, wahren Liebe“ 💚 Sie wachsen gerne in Gruppen und treiben es lila-bunt auf den Wiesen ☺️ aber Achtung, sie mögen es gar nicht, wenn man drauftritt – das bringt einerseits Unglück und andererseits wachsen im nächsten Jahr an der Stelle weniger oder gar nicht mehr. Es heißt auch, sie ziehen Blitze an – früher hat man sie nicht ins Haus gelassen. . In meinem Wichtelbuch, dass ich als Kind hatte, lebte die Elfe mit ihrer Familie in einer Glockenblume. Muss das toll sein!, stellte ich mir damals vor. Und ich denke auch das Glöckchen von Peter Pan schlief in einer Glockenblume. . Früher war man davon überzeugt, dass Glockenblumen sehr giftig seien (heute ist man sich darüber übrigens noch uneins, die Wurzel und frischen jungen Blätter werden in der Naturheilkunde eingesetzt) – es wurde Kindern erzählt, dass wenn sie durch eine Stelle mit vielen Glockenblumen gingen, die Elfen sie verzaubern würden und sie auf der Stelle in einen Schlaf versinken, von dem sie nie mehr erwachen würden. . Wieder was fürs Herz: wenn man es schafft, eine Glockenblume von innen nach außen umzustülpen, gewinnt man das Herz seines Liebsten.🥰🤪 (also nie!) . Ganz cool war, dass in manchen Gegenden der Saft der Pflanze (der ist klebrig) als Klebe-Ersatz genommen wurde- es wurden sogar Bücher damit gebunden. . . . #pflanzenliebe #pflanzen #glockenblume #überliefert #bluebell #unkrautliebe #unkräuter #garten #heilkräuter #naturheilkunde #natürlich #natur #alteskraut #natürlichkeit #wald #kräuterküche #kräuterhexe #kräuterpädagogin #naturelovers #blütenzauber #blumen #blüten #frühling #waldpflanze #naturfotografie

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12 Sep

Mythen, Legenden und Märchen: Der Weißdorn

Der Weißdorn ist eine sagenhafte Pflanze.

Der Weißdorn im Märchen

Sollte es euch als Kind noch nicht aufgefallen sein, wo der Weißdorn überall „sein Unwesen treibt“, kommt hier eine kleine Auswahl:

Schneeweißchen und Rosenrot

Hier stoßen wir gleich zu Beginn auf unseren Weißdorn:

„Eine arme Witwe, die lebte einsam in einer Hütte, und vor der Hütte war ein Garten, darin standen zwei Rosenbäumchen, davon trug das eine weiße, das andere rote Rosen; und sie hatte zwei Kinder, die glichen den beiden Rosenbäumchen, und das eine hieß Schneeweißchen, das andere Rosenrot.“

Liest man „Rosenbäumchen“ denkt man heute vielleicht sofort an die wunderschönen Rosengärten in englischen Gärten. Oder vielleicht hat man selber einen wunderschönen Rosenstock daheim. Aber:

Im Märchen ist mit „Rose“ der heimische Weißdorn gemeint, der früher gern als solche bezeichnet wurde. Er zählt zur Familie der Rosengewächsen und es gibt ihn in weiß- und rotblühenden Sorten. Der rotblühende Weißdorn (wird auch Rotdorn genannt) ist heute jedoch viel seltener anzutreffen.

Der Weißdorn (auch Hagedorn) gilt als Schutzpflanze gegen böse Geister und so hatte man ihn gern nah am Haus.

Im Märchen war der Weißdorn so wichtig, dass sie ihn nach dem Happy End und der Doppelhochzeit im Märchen gar zum Schloss mitnahmen:

Die zwei Rosenbäumchen aber nahm sie mit, und sie standen vor ihrem Fenster und trugen jedes Jahr die schönsten Rosen, weiß und rot.

Wer das gesamt Märchen lesen möchte, kann das hier tun.

Dornröschen

Die Dornenhecke, die um das Schloss wuchs, nachdem sich das Dornröschen in die Finger gestochen hatte war aus Weißdorn. Im Englischen wurde das Märchen früher deswegen auch „Hawthorn Blossom“ (Hawthorn – Weißdorn) genannt.

Könnt ihr euch an das Märchen erinnern? Wenn nicht: hier eine Zusammenfassung.

Dornröschen war ein Wunschkind sondergleichen, so dass ihre Eltern, König und Königin, zur Feier ihrer Geburt eine Riesenparty veranstalteten. Sie machten nur einen kleinen, folgenschweren Fehler: Sie luden nur 12 statt der 13 Feen ein, da es nur 12 goldene Teller gab und sie niemanden brüskieren wollten.

Die 13 Fee nahm ihnen das aber dann übler als gedacht und so kam es, dass sie die „Feier crashte“, wie wir heute sagen würden und Dornröschen tatsächlich den Tod wünschte – ein Paradebeispiel, was geränkte Eitelkeit für ein Verderben anrichten kann! Dornröschen sollte sich an ihrem 15. Geburtstag soll an einer Spindel stechen und tot umfallen. Zum Glück konnte die 12. Fee dieses fixe Todesurteil in einen hundertjährigen Schlummer mildern.

Es kam wie es kommen musste. Obwohl die Eltern sämtliche Spindeln im Land zerstören ließen, bekam Dornröschen an ihrem 15. Geburtstag eine – im wahrsten Sinne des Wortes – in die Finger und sank sofort in einem tiefen Schlaf, mit ihr das ganze Schloss und der ganze Hofstaat.

Die harten Dornen des Weißdorns weckten die Fantasie.

Nun, wie gesagt, die Dornen wuchsen und sämtliche Prinzen, die auf die schlafende Prinzessin einen Blick werfen wollten, gingen darin zugrunde. Nach genau 100 Jahren kam aber dann doch ein Prinz, der hatte mehr Glück: die Weißdornhecke war plötzlich offen und blühte. Er konnte ungehindert hindurchschreiten. (Ob er die körperlichen Überreste der anderen Prinzen sah?)

Er fand Dornröschen, entbrannte sofort in Liebe und küsste sie. Sie erwachte, entbrannte ebenfalls in Liebe und .. wenn sie nicht gestorben sind, entbrennen sie noch heute!

Weißdorn: weitere Mythen und Legenden

  • Die Dornenkrone von Jesus soll aus Weißdornzweigen gemacht worden sein.
  • Tristan und Isolde sollen sich nach ihrer Flucht vor dem König im Weißdorn versteckt haben. So konnte sie niemand finden.
  • Im althergebrachten Sprachgebrauch bedeutete der Weißdorn: Hoffnung.
  • Die Griechen schätzen den Weißdorn sehr. In der Überlieferung wuchs er an der Stelle, wo zuvor ein Blitz eingeschlagen hatte.
  • In England und Irland bringt es Unglück, Weißdorn zu schneiden. Er hat dort eine ähnliche Stellung wie bei uns der Holunder oder „die Frau Holle“.

01 Mai

Löwenzahnmarmelade

Der süß-säuerliche Geschmack der Löwenzahnmarmelade passt perfekt zum flaumigen Biskuitteig (© Mayr)

Gleich vorweg, Löwenzahnmarmelade verlangt Geduld und Zeit, die sollte man also mitbringen. Es lohn sich aber auf alle Fälle, der Geschmack ist superlecker. Ich verwende sie etwa anstatt von Marillenmarmelade als Kuchen- oder Palatschinkenfüllung. Lecker!

Rezept Löwenzahnmarmelade

  • 3 Handvoll junge, frisch aufgegangene Löwenzahnblüten
  • 1 Bio-Zitrone
  • 1,2 l Wasser, alternativ: 0,7 l Wasser und 0,5 l Apfelsaft
  • 1 P. Gelierzucker 1:2

1. Die Blüten am besten zu Mittag sammeln, da sind sie weder zu nass vom Morgentau noch zu trocken von der Mittagssonne. Dann werden die gelben Kronblätter von den Kelchen abgezupft. Das ist viel Arbeit, aber es lohnt sich, da das Grün die Marmelade einfach bitter macht.

2. Die abgezupften Kronblätter nun mit dem Wasser oder Wasser-Saft-Gemisch übergießen und die in Scheiben geschnittene Zitrone dazugeben. Ich habe beide Varianten probiert, einmal nur Wasser, einmal mit Apfelsaft gemischt – mit Apfelsaft schmeckt es eine Spur eleganter. Alles aufkochen und ca. 10 Minuten köcheln lassen. Danach muss das Gemisch mal über Nacht, besser einen ganzen Tag, zugedeckt stehen.

3. Am nächsten Tag werden die Zitronenscheiben entfernt und die Masse püriert. Mein Pürierstab schafft nicht alle Kronblätter, ein paar bleiben immer ganz. Aber das stört nicht, ganz im Gegenteil. Nach dem Pürieren gibt man den Gelierzucker hinzu und nach Packungsanleitung ca. 4 Minuten kochen lassen. Danach in saubere Gläser füllen (3-4 x0,5l).

Mein Tipp: Auf jeden Fall eine Gelierprobe machen! Letztes Jahr ist mir die Marmelade viel zu flüssig geraten, dieses Jahr fast eine Spur zu fest. Ich habe die Mengenangaben im Rezept noch leicht angepasst, es sollte so stimmen.

Rezept Biskuitroulade mit Löwenzahnmarmelade

(nach Ingrid Pernkopf, der besten oberösterreichischen Köchin)

Zutaten:

  • 8 Eidotter
  • 20 g Staubzucker (für den Dotter)
  • 5 Eiklar
  • 80 g Kristallzucker (für den Schnee)
  • 80 g glattes Mehl
  • ev. 1 Löffel Maizena
  • Salz
  • geriebene Zitronenschale
  • Zucker für die Unterlage
  • ca. 250 g Löwenzahnmarmelade (oder Marille)

Zubereitung:

1. Backofen auf 165-175 Grad (Ober- und Unterhitze) vorheizen (je nach Herd). Ein Backblech mit Backpapier vorbereiten.

2. Zuerst den Dotter mit dem Staubzucker schaumig rühren (dauert ca. 10 Minuten, Biskuitteig muss gut gerührt werden).

3. Danach den Eischnee mit dem Kristallzucker zu einen cremigen Schnee schlagen (unbedingt aufpassen, dass er nicht ausflockt! Am besten den „Kopf-über-Test“ machen: sobald man den Topf umdrehen kann, ohne dass der Schnee herausfällt, ist er fertig 😉 )

4. Das Mehl sieben und dann abwechselnd mit dem Schnee unter die Dottermasse mengen. Ev. einen Löffel Maizena hinzugehen, je nachdem wie kompakt die Masse ist. Nicht lange rühren, damit die Masse nicht zusammenfällt.

5. Die Masse gleichmäßig auf das mit dem Backpapier belegte Blech streichen. Die Masse je nach Herd 11-12 Minuten backen. Sie ist fertig, wenn sie 1. oben schon leicht gebräunt ist und 2. sie leicht nachgibt und sich fluffig anfühlt, wenn man sie mit der Hand andrückt. Bitte nicht zu lange backen, sonst wird sie hart.

6. Während des Backens ein frisches Geschirrtuch vorbereiten und dieses mit Staubzucker bestreuen.

7. Die fertige Roulade nun direkt aus dem Rohr auf das Geschirrtuch stürzen. Das Backpapier vorsichtig abrollen, so dass die Roulade nicht bricht (mit kaltem Wasser bestreichen hilft). Den Biskuitteig sofort einrollen und etwas abkühlen lassen (sie soll aber noch warm bleiben). Danach wieder vorsichtig ausrollen und mit der Löwenzahnmarmelade bestreichen. Wieder einrollen und fertig ist die Marmelade.

Viel Spaß beim Nachkochen!

Eure Elisabeth

30 Apr

Gundermann

Glechoma hederacea – die blauen Blüten wurden früher dem Wettergott Donar zugeordnet. (© Mayr)

Heute ist Walpurgisnacht. Ein fast vergessener Brauch und ein Anlass, um eine alte Schutzpflanze vorzustellen, die man früher in der Walpurgisnacht gesammelt hat: die Gundelrebe oder Gundermann.

Der Gundermann ist eine alte, germanische Heilplanze, die mit ihren blauen Blüten dem Wettergott Donar zugeordnet wurde. Sie wurde gesammelt, um vor Blitzschlag zu schützen.

It’s a kind of magic

Der Gundermann zählte zu den Schutzpflanzen und man glaubte, dass sie bösen Zauber abwehren. Hörten etwa Kühe, Ziegen oder Schafe auf, Milch zu geben, gab man bösen Dämonen die SChuld und glaubte, diese hätten das Euter verhext. Gundermann war hier das „Erste-Hilfe-Mittel“, wie folgender Auszug aus dem Buch „Albertus Magnus: Bewährte und approbirte sympathetische und natürliche egyptische Geheimnisse für Mensch und Viech“ aus dem Jahre 1834 zeigt:

Wenn einer Kuh das Euter behext ist

Nimm Gundelreben, flechte Kränzlein, milk jeden Strich hinten durch den Fuß dreimal auf die Gundelrebenkränzlein, hernach gieb sie der Kuh zu fressen, und sprich folgende Worte:

Kuh, hier geb ich dir Gundelreben, daß du mir die Milch wolltst geben.

(Albertus Magnus: Bewährte und approbirte sympathetische und natürliche egyptische Geheimnisse für Mensch und Viech“ von 1834, Neuauflage hier kaufen.)

Gundelrebe und Walpurgisnacht

Die Walpurgisnacht geht auf das Frühlingsfest der Kelten, „Beltane“, zurück, ein Freudenfest, um den Beginn des Frühlings zu feiern. Ausgelassen waren die Feiern, mit viel Musik, Tanz und Wein. Zentrum war ein großes Feuer oder auch ein Baum, um die getanzt wurde. Gefeiert wurde der Sieg über den Winter – zumindest in diesem Jahr.

„Ein bißchen Diebsgelüst, ein bißchen Rammelei. So spukt mir schon durch alle Glieder die herrliche Walpurgisnacht.“ (Faust)

Dass der Kirche des Mittelalters das bald zu heidnisch war, war abzusehen und schon war aus dem Freudenfest „Beltane“ der Hexentanz am Blocksberg gemacht worden. Nur die Maifeierlichkeiten sind erhalten geblieben – bis heute.

Ob Kelten oder Kirche, die Bedeutung der Walpurgisnacht als eine der großen Raunächte war tief im Volksglauben verankert. Es war eine magische Nacht, viele Bräuche und Riten sind damit verbunden – denke man an die Wurzel der Alraune, die nur in der Walpurgisnacht bei Vollmond ausgegraben werden durfte.

Auch die Gundelrebe war eine der Pflanzen, die in der Walpurgisnacht gesammelt wurden. Sie sollte Schutz für Mensch und Tier bringen. Mit Salz und Hafer hat man sie etwa dem Vieh zum Essen gegeben, um es für das ganze Jahr vor Verhexung zu schützen. Der Gans oder den Hühner wurde ein Kranz ins Nest gelegt.

Der Gundermann der Walpurgnisnacht diente auch dazu, um Hexen zu erkennen. Flocht man in der selben Nacht noch einen Kranz und trug diesen am nächsten Tag am Kopf, bekam man die „Hellsicht“ und sah, wer in Wahrheit eine Hexe ist, denn diese hatten Melkeimer oder Schemel am Kopf Gruselig, oder?

Übrigens: Volksglauben oder nicht, der Gundermann gehört in die Gründonnerstagssuppe, einfach weil er gesund ist und gut schmeckt.

23 Apr

Löwenzahnhonig

Selbstgemachter Löwenzahnhonig, schmeckt wunderbar und tut gut. (© Mayr)

Taraxacum officinale heißt er auf Latein, der Löwenzahn, und beweist uns mit seinem „officinale“, dass er eine wirklich, echte, originale Heilpflanze ist. Denn: Alle Pflanzen, die für Heilzwecke verwendet wurden, tragen bis heute den Beinamen „officinale oder officinalis“ (Calendula officinalis, Rosmarinarius officinalis, … )

Der Löwenzahn ist das beste Beispiel, welche verborgenen Talente in „UnKräutern“ stecken können. Landwirte und Gartenliebhaber mögen ihn nicht, deswegen ist seine Bekämpfung in vielen Unkrautbüchern zu finden. Er verdrängt gern andere Pflanzen und nimmt diesen Nährstoffe weg. Außerdem liegen die Blätter eng am Boden – darunter ist kein Platz mehr für anderes Grün.

Ich und viele andere Kräuterhexen lieben den Löwenzahn nichtsdestotrotz und erfreuen uns an seiner Blüten- als auch Heilkraft. Da ich jedes Jahr ein neues Rezept mit meinem Taraxacum ausprobiere, habe ich mich dieses Jahr dazu entschlossen, es mal mit dem Löwenzahnhonig zu versuchen. Ich habe auch einen zweiten Versuch mit der Löwenzahnmarmelade gestartet – letztes Jahr ist sie mir nach einer Woche schlecht geworden – aber dazu ein anderes Mal.

Löwenzahnhonig ist eigentlich falsch, es ist ein Sirup, der aber – so wenn er sorgfältig zubereitet wird – wie echter Honig schmeckt. Da ich Honig liebe, vor allem den von unseren Bienen, musste ich das probieren. Noch vorweg, er ist einfacher vorzubereiten als Löwenzahnmarmelade, da das Auszupfen der einzelnen (!) Löwenzahnblüten wegfällt.

Ich habe dann ein Rezept für den Löwenzahnhonig bei Willfort gefunden (immer noch meine Bibel der Naturheilkunde), es aber leicht abgewandelt:

  • 3 Hände voll Löwenzahnblüten
  • 2 l Wasser
  • 1,8 kg Zucker
  • Saft von 2 Bio-Zitronen (Willfort hat in den 50er Jahren noch nicht von Bio Zitronen geschrieben, zugegeben .. aber ich denke, heute würde er es schreiben)

Die Löwenzahnblüten waren schnell gesammelt. Dann hieß es, daraus einen Tee zuzubereiten: Ab damit in einem Topf, mit dem 2 l kochendem Wasser aufgegossen und mal ein paar Stunden (ich habe ihn 6 h, Gertrude Messner schreibt von bis zu 12h ) ziehen gelassen. Danach wird er abgeseiht und mit dem Zucker aufgekocht. Mit den Saft der beiden Zitronen wird er nun laut Willfort „eingekocht, bis eine sirupartige, fadenziehende Masse entsteht“. Derweil soll man immer umrühren (sonst klebt der Zucker am Boden an) So, ich habe alles nach Anleitung gekocht, aber das Einkochen hat gedauert, und gedauert, und gedauert. Nach einer Stunde ist mir das Ganze schon etwas seltsam vorgekommen – ich war meilenweit von der gewünschten „sirupartigen“ Masse entfernt, es blieb flüssig wie Wasser. Und von Zeitangaben, wie lange die Masse köcheln sollte, war nichts zu lesen. Ich hab dann nochmal bei Gertrude Messner nachgelesen, die empfiehlt mehr Zucker als Wasser, also habe ich noch einen „guten Schuss“ Zucker nachgelehrt.

Im Endeffekt habe ich den Sirup gute 4 Stunden leicht köcheln lassen. Ich hab immer wieder eine „Gelierprobe“ – wie beim Marmelademachen – gemacht und als der Sirup dann eine schöne dunkelrote Farbe hatte und ENDLICH die gewünschte Honigkonsistenz erreicht hatte, wurde er in sterile Gläser gefüllt.

Halleluja, mein erster Löwenzahnhonig ist fertig und siehe da, er schmeckt wunderbar!!!

Löwenzahnhonig, die Essenz des Löwen. (© Mayr)
20 Apr

Huflattich

Tussilago farfara: der „Hustenvertreiber“ Huflattich. (© Mayr)

Ackerlattich, Brandlattich, Brustlattich, Eselshuf, Bachblümerl, Lehmblümerl, Märzenblume, Roßhuf – so viele Namen trägt der Huflattich, der wohl seinen Namen seiner hufähnlichen Form verdankt.

Heilkunde:

Familie: Korbblütler (Achtung, wenn Sie empfindlich auf Korbblütler reagieren)

Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Pyrrolizidin-Alkaloide, Inulin, Gallussäure, Phytosterine, Zink etc.

Verwendete Pflanzenteile: Blüten und Blätter (kommen nach der Blüte)

Ein Huflattichblatt ist hinten rau und stark beharrt. (© Mayr)

Heileigenschaften: schleimlösend, reizmildernd, entzündungshemmend, fördert Auswurf. Nicht bei Schwangerschaft verwenden!

Heilandwendungen und Rezepte: Der Huflattich ist ein altbewährtes Hustenmittel. Schon der griechische Arzt Dioskorides empfahl bei Husten und Asthma Huflattich zu rauchen. Er hilft bei Bronchitis und bei Reizhusten.

Für den HuflattichTee nimmt man 1TL trockene Blüten und/oder Blätter und gießt mit einem 1/4 l heißen Wasser auf. Nur kurz ziehen lassen (2 Min.) und trinkt ihn ev. gesüßt mit Bienenhonig. Tipp für Bronchitis, um das Abhusten am Morgen zu erleichtern (nach R. F. Weiß): Es hilft, wenn die erste Tasse Huflattich-Tee morgens noch im Bett getrunken wird. Dafür bereitet man den Tee am Vorabend zu und lässt ihn in einer Thermoskanne neben den Bett stehen.

Lungenheil-Tee Hufflattichblüten und -blätter, Königskerze oder Veilchen, Lungenkraut und Spitzwegerich zu gleichen Teilen mischen. Für eine Tasse nimmt man 2 EL und übergießt mit heißem Wasser. 5 Minuten ziehen lassen und dann mit Honig süßen. 3x am Tag eine Tasse trinken.

Aber nicht für Husten ist der Huflattich gut, durch das Zink in den Blättern wirkt er entzündungshemmend und hilft bei Verstauchungen und Blutergüssen. Einfach eine Kompresse aus den Blättern zubereiten: frische, grüne Blätter werden fein zerhackt oder im Mörser zu Brei zerstoßen (ich habe keine Mörser, deswegen kommt alles unter das Keramikmesser) und auf die betroffene Stelle aufgelegt. Kompressen sollen auch gegen Kopfschmerzen helfen, ich habe das aber noch nie ausprobiert, bzw. soll es reichen, wenn man die haarige Unterseite der Blätter gegen den Schläfen drückt.

Auch ein Rezept, dass ich noch nie ausprobiert habe – dieses Jahr ist es aber fällig, da so viel Huflattich wächst! – ich möchte es aber gleich mit euch teilen: Huflattich-Tabak. Tabak aus Huflattich wird schon seit der Antike gegen verschleimte Bronchien empfohlen. Also, man nimmt Huflattich-Blätter, trocknet diese 1-2 Tage, dann werden sie leicht mit Wasser angefeuchtet (etwa mit einem Pflanzensprüher). Man legt nun mehrere Blätter übereinander, rollt diese zusammen und lässt sie in leicht feuchten Baumwoll- oder Leinentücher 6 h gären. Dann schneidet man sie auf und trocknet sie schnell im Backrohr bei ca. 40 Grad. Ich denke, ich werde die Mischung dann räuchern. Aber ich berichte, sobald ich fertig bin. 🙂

Brauchtum: Mir wurde erzählt, dass in Tirol früher aus den blühenden Huflattichblüten Girlanden gemacht wurden, die zu Ostern in das Feuer geworfen wurden. In Norwegen war es Brauch, nach den ersten Huflattichblüten zu suchen, weil diese als Frühlingsboten verehrt wurden – vielleicht hat der Tiroler Brauch den selben Hintergedanken, dass man eben damit den Winter endgültig vertrieben glaubte.

Eine schöne gelbe Vielfalt: Huflattich erfreut uns im Frühling mit seinem gelben Blüten. (© Pixabay)

Für die Schönheit

Huflattich hilft bei:

  • fettiger, unreiner Haut
  • fettige Haare, gegen „Fettschuppen“

Was wenige wissen ist, dass sich Huflattich besonders gut für die Schönheit eignet. Leidet man wie ich unter fettiger und unreiner Haut ist ein Dampfbad mit Huflattich sehr zu empfehlen. Dazu nimmt man eine Handvoll Huflattichblätter, übergießt diese mit heißen (nicht mehr kochenden!) Wasser und genießt mit einem Handtuch die Dämpfen.
Reinigt und klärt!

Ähnlich kann man bei fettigen Haar vorgehen. Einfach einen Tee brühen, 15 Minuten ziehen lassen und ihn nach der Haarwäsche in Haar und Kopfhaut einmassieren. Tut gut, riecht gut.

Achtung: Pflanze nicht waschen, sonst gehen die Schleimstoffe verloren!

20 Apr

Ist Huflattich giftig?

Was wurde er in den letzten Jahren verdammt: gefährlich soll er sein, bei Überdosierungen Vergiftungen hervorrufen. Die Apotheken in Österreich stellten 1994 den Verkauf ein. Seitdem darf er nicht mehr innerlich angewendet werden. Mittlerweile geht man davon aus, dass es eigentlich die Blätter der Pestwurz waren, die denen des Huflattichs zum Verwechseln ähnlich sehen, die diese Vergiftungen ausgelöst haben. Das Verkaufsverbot blieb trotzdem aufrecht, da beide Pflanzen Pyrrolizidinalkaloide enthalten (nachzulesen hier).

Pyrrolizidin…-was? 🤔

Pyrrolizidinalkaloide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die die Pflanze bildet um sich vor Insektenfraß zu schützen. Man findet sie oft bei Korbblütlern – oder auch bei Hülsenfrüchten. Was ist nun das Schlimme an ihnen? Pyrrolizidinalkaloide schädigen wenn man sie länger oder hoch dosiert nimmt die Leber; sie können Krebs erzeugen und das Erbgut verändern – alles keine wirklich guten Nachrichten. Aber hej, die Pflanze schützt sich mit ihnen. Also, wichtig für uns zu merken: Für Menschen können Lebensmittel und Tees mit Pyrrolizidinalkaloide tatsächlich auf die Dauer gesundheitsschädigend sein – zu den Lebensmittel zählen übrigens auch Honig (!) sowie Schwarz- und Grüntee. Aber, es besteht kein akutes Gesundheitsrisiko. Den genauen Bericht des dt. Bundesdienst für Risikobewertung könnt ihr übrigens hier nachlesen. Ich möchte hier keine Empfehlung oder gar Erlaubnis abgeben, ob und wieviel jede oder jeder vom Huflattich essen oder trinken darf – dafür gibt es Ärzte und Apotheker und die sagen klar, dass es gesundheitlich unbedenklich ist. Für mich ist es eine Heilpflanze, die in meinem Teeschränkchen zuhause ist und davor war sie im Teeschrank meiner Eltern, meiner Großeltern, meiner Urgroßeltern, etc. – sprich, sie gehört einfach dazu. Niemals würde ich sie in meinem Frühstückstee geben (wenn ich Frühstückstee trinken würde, ich trinke immer nur Kaffee).

Ich habe aber eigentlich den Wunsch, die Hoffnung, dass der Huflattich wieder einmal aus der Versenkung auftaucht und als die jahrtausendealte Heilpflanze gewürdigt wird, die er ist. Immerhin haben sie Frankreichs Apotheken bis in die Frühe Neuzeit hinein gerne als Symbol für das Türschild verwendet. Kein Arnika, oder Ringelblume, nein, der Huflattich – so wichtig war er einmal.

16 Apr

Veilchentee

Wenn sich bei Husten der Schleim gar nicht lösen will, hilft reiner Veilchentee, stärker wird die Mischung wenn man sie mit Hufflattich, Spitzwegerich und Zinnkraut mischt. Bei Keuchhusten hat sich die Mischung Veilchen-Thymian bewährt

Reiner Veilchentee hilft auch dabei, die letzten Wintertage gelassener zu sehen – er ist eine Wohltat fürs Gemüt. Vor allem junge Mädchen springen gut darauf an, aber natürlich auch ältere Semester (wie ich 😉 ). Ich halte es nach dem Vorsatz: wenn viel Veilchen ums Haus wachsen, dann brauche ich es gerade.

1-2 EL frisches oder trockenes Veilchenkraut in 1/2 l Wasser 2 h lang kalt ansetzen, dann lauwarm erhitzen. Mit Honig süßen und die Menge den Tag über verteilt trinken.

Mischtee gegen (Keuch)Husten: Zu gleichen Teilen Thymian und Veilchen mischen. Zubereitung wie oben.

Mischtee gegen schleimigen Husten: 2 Teile Veilchenblätter, 4 Teile Huflattichblätter, 4 Teile Tyhmian, 5 Teile Spitzwegerich, 5 Teile Zinnkraut mischen. 1 EL der Mischung mit kochenden Wasser aufgießen. 5-10 Minuten ziehen lassen, mit Honig süßen.

Ein guter Veilchentee im Frühling reinigt uns innerlich und ist gut für das Gemüt.
15 Apr

Veilchensirup

Bei Husten hat sich Veilchensirup bewährt. Der Nachteil bei dieser Methode – ich sag es ganz ehrlich – ist viel Arbeit und man braucht viele Veilchenblüten, und hierfür verwendet man nur Blüten, nicht das Kraut. Ich habe ihn letztes Jahr zum ersten Mal gemacht (leider kein Foto!), weil wir so viele Veilchen vor dem Haus hatten.

Man gieße auf 1 l gut zusammengepresste Veilchenblüten 1 l kochendes Wasser und lässt es 12 h ziehen. Danach abseihen und den Saft wieder bis knapp vor dem Siedepunkt erwärmen und dann erneut auf 1 l frisch gepflückte Veilchenblüten. Dann lässt man ihn wieder 12 h stehen. Man kann den Vorgang dann noch 2 mal wiederholen – die Quellen schreiben, je öfter desto besser – aber mir gehen die Veilchenblüten dann aus, also mach ich es höchstens zweimal. (Bitte nicht vergessen: maximal 2/3 der Veilchen verwenden, den Rest stehen lassen)

Nach dem letzten Auspressen erhitzt man den Saft nochmals und lässt ihn abkühlen. Wenn er handwarm ist gibt man so viel Honig hinzu, bis ein sirupartiger Brei entsteht.

Dieser Brei, löffelweise eingenommen, hilft bei Schlaflosigkeit, löst die Verschleimung der Atemwege und stärkt das Herz. (Es soll auch gegen Liebeskummer helfen 😉 ) Die Häufigkeit richtet sich nach Vorliebe, 3-6x am Tag.

Man kann den Sirup mit Gerstenwasser strecken.